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Open Beta Realness

Der offene Designprozess eines UX-Studios

Beim Blick auf diese Seiten fragst Du Dich vielleicht, was Du hier gerade siehst. Vielleicht hast Du Fehler entdeckt. Eventuell sieht etwas unstimmig oder unfertig aus. Was passiert hier also? Ist die Seite chaotisch? Im Aufbau? Die kurze Antwort: Ja! Die ausführliche Antwort: Du bist mitten in der Open Beta eines neuen UX-Studios gelandet – Truly XD.
Open Beta Realness heißt: Ich baue Truly XD öffentlich – mit allen Zwischenständen, Umwegen und offenen Baustellen.

Die Gründe für dieses Open Beta aka „Designing in the Open“ Vorgehen sind vielfältig. Zum einen lag dieser Space bereits seit mehreren Jahren brach, weshalb ich davon ausgehe, dass sich kaum jemand hierher verirrt – früher war an dieser Stelle missmoss.de zu finden. Und wenn doch, würde ich es ohnehin nicht wissen, denn hier ist so wenig los, dass noch nicht einmal etwas getrackt wird. Vor allem aber mochte ich den Gedanken einer öffentlichen Entstehungsgeschichte von Truly XD. In einer Welt, die von Algorithmen und KI genormt und poliert wird, erscheint mir ein Stück Realness gerade ziemlich spannend und oddly fresh.

Ich mag, dass dieser Ansatz den Designprozess sichtbar macht – einen Prozess, der immer messy ist, bevor sich die Wogen glätten können, um dann – let's be real – vermutlich direkt in die nächste Iteration zu gehen. Das gilt umso mehr, wenn man an mehreren Enden gleichzeitig arbeitet: nicht nur am Experience- und visuellen Design einer Webseite, sondern auch an Designprinzipien, Brand Design, Markenhaltung und -stimme sowie an neuen Prozessen dafür, wie Projekte überhaupt angegangen werden.

Auf Stimmsuche: the Baby Brand

Am Anfang stand die Idee eines neuen Projektprozesses: Ich wollte einen Prozess, ein Framework erschaffen, das es ermöglicht, (digitale) Projekte so anzugehen, dass sie erfolgreich umgesetzt werden können, und zwar von ALLEN Kund:innen, egal, ob sie schon einmal mit nutzer:innenzentrierter UX-Unterstützung gearbeitet haben oder nicht. Mehr zu diesem Prozess im Artikel: Der Truly XD Designprozess. Was „erfolgreich“ in diesem Zusammenhang überhaupt bedeutet, stand dabei selbst zur Debatte.

Aus diesen Überlegungen heraus entstanden erste Skizzen für ein Projekt-Framework, Produkt- und Namensideen, und allmählich auch die ersten Bilder im Kopf. Wenn ich also von Open Beta Realness spreche, meine ich eine Open Beta mit ein bis zwei Monaten Verzug. Diese Zeit habe ich mir bewusst gegönnt, um in mehrere Richtungen zu explorieren.

Warum und für wen Open Beta?

Grundsätzlich finde ich die offene Dokumentation einer Markenentstehung – selbst ganz am Anfang – sehr spannend, da sie das „Warum“ hinter dem Ergebnis erläutern kann. Die Teilnahme am Prozess kann einem z. B. etwas beibringen, einen zum Insider machen. Der sichtbare Prozess bietet unterschiedliche Anreize für mehrere Personengruppen, die mit einem Unternehmen oder einer Marke interagieren können:

  • Peers: Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden und vor vergleichbaren Entscheidungen stehen, können eine offene Markenentstehungsgeschichte als Input nutzen. Eigene Designentscheidungen können abgeglichen werden. Eigene Prozesse können bestätigt oder anderweitig informiert werden. Der offen sichtbare Prozess ist dabei vermutlich etwas ehrlicher als die spätere Case Study oder News dazu.
  • Projekt-Kollaborateur:innen: Personen und Unternehmen, die eine Zusammenarbeit erwägen, können etwas über Denk- und Designprozesse erfahren, jenseits von Ergebnissen aus Service- oder Produktdesign. Das macht es einfacher einzuschätzen, ob man zusammenpasst. Zudem taugt ein Work-in-progress-Status gut als Skizze, um Vorhaben anschaulicher zu erklären.
  • Projektpartner:innen: Auch wer eine Beauftragung in Erwägung zieht, kann an offenen (Brand-)Designprozessen erkennen, ob ein Dienstleister zu einem passt. Anhand des Doings kann man meines Erachtens viel besser einschätzen, ob der Arbeitsprozess zur eigenen Unternehmenskultur passt. Beinhaltet das Doing auch noch relevante, gelebte und damit sichtbare Unternehmenswerte („walk the walk, don't just talk the talk“), kann dies für wertegetriebene Projektpartner:innen eventuell ausschlaggebend sein.

Was sichtbare Designprozesse im Internet leisten können: ein kleiner Schwenk

Anfang Juni 2026 hat der Bot-Traffic laut Cloudflare erstmals den menschlichen Traffic überholt: 57,5 % aller Anfragen kamen von Maschinen (Quelle). Hinzu kommen die zunehmenden GenAI-Kompetenzen und eine daraus resultierende Slop-Fatigue. All das gepaart mit der Enshittification (Cory Doctorows Begriff für den schleichenden Qualitätsverfall von Plattformen, mehr auf Wikipedia) im Bereich der Social Networks führt zu Content Slop und einer Aufmerksamkeitsökonomie auf Steroiden.

Dies erzeugt laute, knallige und so gleichartige Ergebnisse, dass Menschen gegebenenfalls gar nicht mehr zwischen Echtem und Fake unterscheiden wollen. Das polierte Endprodukt könnte sogar komplett uninteressant werden, denn, wenn die Story, die Realness fehlt, könnte das Gesehene nichts weiter als von Bots mit KI produziertes Bot-Futter sein. Und wer hat dafür schon Zeit? Wer hat darauf schon Lust?

Eine Möglichkeit einer Marke (und ganz nebenbei dem Internet) Leben und Substanz einzuhauchen, ist - meiner Meinung nach - unter anderem ein öffentlicher Entstehungsprozess, jenseits glatt polierter Case Studies fertiger, abgeschlossener Projekte. The messy bit eben, da wo es menschelt.

Current Status: No Beginning, No End and Real Vibes

Für Truly XD wurden bereits vor dem Entschluss in die Open Beta zu gehen, einige Entscheidungen getroffen, die jetzt im Nachzug, sofern es die Zeit erlaubt, offengelegt werden. Aber eigentlich geht es in diesem Beitrag gar nicht um Truly XD selbst, sondern um einen generelleren Impuls: um die Frage, wie wir künftig mit dem Designprozess und damit auch mit dem Designergebnis umgehen wollen, wie wir beides handhaben und welchen Stellenwert wir ihm einräumen wollen. Denn Design kann nur dann ein echtes Alleinstellungsmerkmal sein, wenn wir nicht jede noch so kleine Änderung im Trial-and-Error-Modus einfach in die Maschine prompten. Womit wir wieder am Anfang wären: denn gerade in einer Welt, die von Algorithmen und KI genormt und poliert wird, erscheint mir genau das ziemlich spannend und oddly fresh.

Weiterführende Quellen

Und Du so?

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